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Zertifikat "Hessisches Internationales Abitur"

Dieser Beitrag ist abgelaufen: 31. Dezember 2016 00:00

Gebunden an bilingualen Unterricht in Mathematik oder einer Naturwissenschaft können hessische Schülerinnen und Schüler ihr Abitur jetzt mit einem neuen Zertifikat schmücken. Im Amtsblatt des Kultusministeriums vom April 2014 werden die Bedingungen für den Erwerb dieser zusätzlichen Qualifizierung dargestellt.

Die folgenden Kriterien müssen für den Erhalt des Zertifikats erfüllt sein:

• In Jg. 5/6 müssen die Schülerinnen und Schüler an einem verstärkten Englischunterricht teilgenommen haben (mindestens 1 Stunde pro Jg.).
• In Jg. 7-10 müssen sie jedes Jahr ein (beliebiges) bilinguales Sachfach belegt haben.
• In der Q-Phase müssen sie durchgehend ein MINT-Fach (Mathematik, eine Naturwissenschaft oder Informatik) als bilinguales Sachfach belegt haben (Umfang: mindestens 9 Jahreswochenstunden).
• In der Q-Phase müssen sie einen Leistungskurs in der Fremdsprache belegt haben, die die Arbeitssprache im bilingualen Sachfach ist.
• Das bilinguale Sachfach ist als 3., 4. bzw. 5. Prüfungsfach ins Abitur einzubringen.

Die Entwicklung des "Hessischen Internationalen Abiturs" wurde durch das "Deutsche Internationale Abitur" inspiriert, die an den deutschen Auslandsschulen abgenommen wird. Der KMK-Beschluss vom 11.6.2015 legt die bilingualen Elemente des Abiturs fest.

Auch ein 2006 eingerichteter Schulversuch in Baden-Württemberg mit naturwissenschaftlichem Akzent stand offenbar Pate. Dieser wurde 2015 in einem zentralen Punkt modifiziert: Der Fächerkanon in der Internationalen Abiturprüfung Baden-Württemberg wurde auf das Fach Geschichte ausgeweitet, so dass dann entweder Biologie oder Geschichte als schriftliches englischsprachiges Prüfungsfach gewählt werden kann. Zuvor war die Prüfung auf Biologie beschränkt.

Beim Hessischen Internationalen Abitur handelt es sich nicht um ein neues Abitur, wie z. B. das International Baccalaureate (IB), sondern - wie in Baden-Württemberg - um ein Zertifikat zum Abitur. Das Zertifikat ersetzt keine anderen Aufnahmevoraussetzungen an Hochschulen (z.B. Sprachtests). Allerdings stellt es eine zusätzliche Qualifizierung dar.

In der Vereinigung bilingualer Schulen wurden während der Vorbereitung des  Zertifikat-Erlasses einzelne Bestimmungen kritisch aufgenommen:

  • Mit der geplanten Schwerpunktsetzung stehe weniger die Internationalität bzw. Sprachbezogenheit im Vordergrund, vielmehr würden die MINT-Fächer fokussiert. Somit wirke die vorgesehene Ausgestaltung des Hessischen Internationalen Abiturs nicht in der Breite.
  • Noch stärkere Bedenken richteten sich gegen das Kriterium zur verpflichtenden Belegung eines fremdsprachlichen Leistungskurses in der Q-Phase. Es gebe viele naturwissenschaftlich interessierte Schülerinnen und Schüler, die zwei LKs im MINT-Bereich wählten und die man davon auch nicht mit der Vorgabe eines LKs in Englisch oder Französisch abbringen kann bzw. abbringen sollte.
  • Von humanistischen Gymnasien wird beklagt, dass Lateinschüler ab Klasse 5 dieses Zertifikat nicht wählen könnten, obwohl sie oft sehr leistungsstark seien.

Weitere Informationen

  • Hinweise zum Erwerb des Zertifikats "Hessisches Internationales Abitur in der Gymnasialen Oberstufe" (Erlass des Hessischen Kultusministers vom 11. März 2014, Amtsblatt 4/2014, S. 170 ff.): Link
  • Vereinigung der Schulen mit deutsch-englisch bilingualem Zug in Hessen e.V.: Protokoll der Sitzung vom 25. Februar 2014: Link
  • Informationen der Kultusministerkonferenz zum Deutschen Internationalen Abitur: Link
  • Das Internationale Abitur Baden-Württemberg (Schulversuch ab dem Schuljahr 2006/2007, modifiziert 2015): Link (Kultusministerium Baden-W.); Link (Gymnasium Korntal)
  • International Baccalaureate: Link

| 4. September 2016 11:18