Hessischer Bildungsserver / Gymnasien in Hessen

Reform des gymnasialen Lehramtsstudiums?

Dieser Beitrag ist abgelaufen: Okt. 31, 2013, Mitternacht

Die öffentliche Diskussion um die Zukunft des Gymnasiums verbindet sich mit aktuellen Reformen der Lehrerausbildung. In Baden-Württemberg, aber nicht nur dort, wird ein einheitliches Lehramtsstudium für alle weiterführenden Schulformen erwogen, auf dem Niveau der bisherigen Gymnasialstandards. Hintergrund ist die Entwicklung zu Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg, für die es noch kein spezielles Lehramt gibt, Anfang April 2013 widmeten FAZ und SZ diesem Thema Leitartikel.

"Ende eines Erfolgsmodells": So überschreibt Heike Schmoll, Jahrgang 1962 und seit Jahren für  Bildungsthemen in der FAZ verantwortlich, ihre Kritik an der Abschaffung der traditionellen Gymnasiallehrerausbildung. "Denn den Gymnasiallehrern ist es trotz einer Schülerschaft aus allen sozialen Schichten und einer größeren Übergangsquote aus der Grundschule gelungen, ein hohes Niveau zu halten." Und:  "Längst haben dieselben Bildungsforscher, die den Stufenlehrer vorschlagen, dem Unterricht den höchsten Fördereffekt zuerkannt, der ein hohes Anspruchsniveau mit zügigem Fortschreiten im Lernstoff verbindet. Unterricht, der auf permanenten Leistungsausgleich angelegt ist, führt aber immer zur Benachteiligung der leistungsstärksten Schüler, ohne dass die schwächsten davon profitieren" (FAZ v. 01.04.2013).

Johann Osel, Jahrgang 1983, innenpolitischer Redakteur in der SZ-Redaktion, vertritt unter der Überschrift "Bildungskatzenjammer" die These, dass die Lehramtsreform zwar gymnasiale Prinzipien wie Fachlichkeit und Wissenschaftspropädeutik bedrohe, gleichwohl aber der Entwicklung des Gymnasiums zur "neuen Hauptschule" gerecht werde: "Wieso sollte man also nicht erwägen, in der Pädagogenausbildung auf 'Alleskönner' zu setzen, die nicht nur das strebsame Bildungsbürgertum im Blick haben, sondern etwa problematische Elternhäuser; und unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten? Das würde das Gymnasium nicht eliminieren, sondern es für die Zukunft aufstellen" (Süddeutsche Zeitung vom 4.4.2013).

Hintergrund

In einer Presseerklärung des baden-württembergischen Kultusministeriums vom 21.3.2013 werden folgende Vorschläge einer Expertenkommission  genannt:

• Die Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf ein gestuftes Studium mit Bachelor/Master-Abschluss.

• Ein gemeinsames Lehramt Sekundarstufe I und II - Die Lehrkräfte sollen sowohl die Lehrbefähigung für die Sekundarstufe I (Unterricht bis zur 10. Klasse) als auch für die Sekundarstufe II (ab 10. Klasse) besitzen.

• Die Einrichtung einer hochschulübergreifenden Kooperation zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen für die Masterphase im Lehramt Sekundarstufe I und II.

• Eine Sonderpädagogische Grundbildung in allen Lehramtsstudiengängen. Studierende sollen künftig den Schwerpunkt Sonderpädagogik im Rahmen des Studiums für das Lehramt Primarstufe, Sekundarstufe I und II und berufsbildenden Schulen wählen können.

Die Kommission zur Weiterentwicklung der Lehrerbildung in Baden-Württemberg wurde gemeinsam von Wissenschafts- und Kultusministerium im Frühjahr 2012 eingesetzt. Sie wurde gebeten, insbesondere Empfehlungen zur besseren Vorbereitung der Lehrkräfte auf den Umgang mit Heterogenität und Inklusion in den Schulen zu entwickeln, Wege zur engeren Zusammenarbeit der Universitäten und der Pädagogischen Hochschulen in der Lehrerbildung aufzuzeigen sowie die Fortführung des Bologna-Prozesses in der Lehrerbildung in den Blick zu nehmen.

| April 7, 2013, 7:48 vorm.