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Sind Mädchen „besser“ als Jungen?

Dieser Beitrag ist abgelaufen: 31. August 2013 00:00

Warum Jungen traditionell eine geringere Lernbereitschaft zeigen als Mädchen, ist eine der großen unbeantworteten Fragen im Themenspektrum Geschlecht und Bildungserfolg. Marcel Helbig, einer der Bildungsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, gibt in der Januar-Ausgabe des "WZBrief Bildung" eine sozialpsychologische Erklärung.

Wichtige Aussagen des Aufsatzes von Marcel Helbig im "WZBrief Bildung" (Nr. 23, Januar 2013):

"Im Durchschnitt haben Jungen niedrigere Lesekompetenzen und schlechtere Noten, sie gehen seltener aufs Gymnasium, häufiger auf Förder- und Hauptschulen - und sie verlassen häufiger die Schule ohne jeden Abschluss. (...)

So erzielen Jungen in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften, wie sie unter anderem in den PISA-Studien getestet werden, höhere Werte als Mädchen. Mädchen haben dafür höhere Lese- und Schreibkompetenzen. Dabei ist der Vorsprung der Mädchen im sprachlichen Bereich größer als ihr Rückstand im mathematisch-naturwissenschaftlichen. Soweit dies an den vorhandenen Daten abgelesen werden kann, haben sich diese Geschlechterunterschiede in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. (...)

Mädchen sind in der Schule disziplinierter, fleißiger, motivierter. Sie haben eine höhere Lern- und Leistungsbereitschaft, verbringen mehr Zeit mit Hausaufgaben, arbeiten mehr als verlangt wird, sind besser auf den Unterricht vorbereitet. Jungen erzielen höhere Werte lediglich bei der Arbeitsvermeidung und beim Zuspätkommen zum Unterricht. (...)

Ich beziehe mich dabei zunächst auf die Forschungsergebnisse von Psychologen um Adrian Furnham, die in einer Reihe von Studien nachgewiesen haben, dass Eltern (und zwar Väter und Mütter gleichermaßen) Söhne für intelligenter halten als Töchter. Es liegt nahe zu vermuten, dass dies der Grund dafür ist, dass Mädchen und Frauen ihre Selbstwirksamkeit geringer einschätzen als Jungen und sich für weniger intelligent halten. Die niedrigere Selbsteinschätzung reflektiert dabei nicht tatsächliche Geschlechterunterschiede, sondern eine negativ verzerrte Selbstsicht - bei gleichzeitiger Tendenz der Jungen und Männer, ihre Leistungen zu überschätzen. (...)"

| 5. Februar 2013 12:33