Hessischer Bildungsserver / Gymnasien in Hessen

Pro und Kontra G 8

Eine wissenschaftliche Studie zu Sachsen-Anhalt

Dieser Beitrag ist abgelaufen: Sept. 1, 2013, Mitternacht

Empirische Untersuchungen zu den Wirkungen der gymnasialen Schulzeitverkürzung nimmt Stephan Thomsen in faz.net vom 19. August 2012 zum Anlass, für eine Debatte auf dieser Grundlage zu plädieren, an der sich alle beteiligten Akteure mit der notwendigen Offenheit beteiligen sollten. Thomsen ist Professor für Angewandte Wirtschaftspolitik an der Leibniz Universität Hannover und Direktor des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW).

In einem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt untersuchen Mitarbeiter des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) Hannover die Effekte der Reform in Sachsen-Anhalt. Für die Studien wurden Absolventen des Doppelabiturjahrgangs von 2007 schriftlich befragt. Die Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen: 

- In Mathematik haben die G8-Abiturienten im Durchschnitt schlechtere Noten als im G9-Abitur. Am deutlichsten haben sich G8-Abiturienten verschlechtert, die zuvor sehr gute Mathe-Noten hatten.  Im Fach Deutsch zeigen sich dagegen keine messbaren Unterschiede. Die veränderte Lernintensität wird in den verschiedenen Fächern also unterschiedlich verarbeitet.

- Die beobachteten niedrigeren Einschreiberaten der Frauen an Hochschulen laufen den gesellschafts- und bildungspolitischen Zielen einer höheren Akademikerrate sowie einer stärkeren Bildungspartizipation von Frauen eher zuwider.

- Bei der Persönlichkeitsentwicklung unterschieden sich die beiden Jahrgänge nicht. Gemessen wurde die Persönlichkeit dabei über das sogenannte Big- Five-Modell aus der Persönlichkeitspsychologie. Dieses international gebräuchliche Modell verwendet fünf Faktoren (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit), um die Persönlichkeit eines Menschen zu charakterisieren.

Resümee des Autors:

Die Argumente der Fürsprecher des G8 (höhere Effizienz, kein Leistungsverlust) lassen sich nicht zweifelsfrei bestätigen. Das gilt aber auch für die Kritiker: Die vergleichbaren Leistungen im Fach Deutsch sowie die identische Studierendenrate der Männer sprechen - zumindest teilweise - gegen eine grundsätzliche Überforderung. Unbegründet scheint außerdem die Befürchtung, dass es G8-Schülern an Reife fehlt.

Weitere Untersuchungen angekündigt

Der Landessportbund Hessen e.V. schreibt in seinem Bericht für die Jahre 2009 bis 2012:

"So haben wir 2011 gemeinsam mit der Deutschen Sportjugend der Universität Marburg einen Untersuchungsauftrag zum Thema „Sport- und Bewegungsverhalten von Jugendlichen“ erteilt. Damit werden erstmals wissenschaftlich belegbare Aussagen über die Auswirkungen der gymnasialen Schulzeitverkürzung auf das Sport- und Freizeitverhalten von Gymnasialschüler/innen vorliegen. Die Ergebnisse werden im Sommer 2012 veröffentlicht. Darüber hinaus haben wir uns finanziell an einer Evaluationsstudie der Universität Frankfurt zur Entwicklung von Sport und Bewegung in der Ganztagsschule beteiligt. Diese Studie wurde vom Landessportbund Hessen und dem Hessischen Kultusministerium in Auftrag gegeben. Der Abschlussbericht erfolgte im Frühjahr 2012. Eine Veröffentlichung durch den Landessportbund ist geplant." [Download]

| Aug. 20, 2012, 10:17 vorm.