Hessischer Bildungsserver / Gymnasien in Hessen

Titelgeschichte der ZEIT: "Der Sturm aufs Gymnasium"

Dieser Beitrag ist abgelaufen: 31. Oktober 2012 00:00

Während der Aufmacher der ZEIT am 18. Februar Bedrohung signalisiert, sieht es der Leitartikel eher optimistisch: "Eine Schule lernt dazu". Martin Spiewak berichtet  über ein Gymnasium in Gelsenkirchen, dessen Schülerschaft fast zur Häfte aus Einwandererfamilien stammt. Er thematisiert steigende Übergangsquoten, den "Massenbetrieb", ein "breites Leistungsspektrum" und Konflikte beim Übergang zur Ganztagsschule.

Auszug aus dem Interview mit Heinz-Elmar Tenorth, ehemals Humboldt-Universität:

"Wir haben klügere Schüler"

ZEIT: Man hat aber den Eindruck, dass sich an den Gymnasien eher wenig geändert hat. Der Lehrer steht weiterhin vor der Klasse und vermittelt Fachwissen. Im Zweifel muss er sich am schwächsten Schüler orientieren.

Tenorth: Ich halte das für ein zwar beliebtes, aber nicht begründbares Vorurteil. Das Gymnasium hat sich auch pädagogisiert, die Lehrer geben sich mehr Mühe, dass die Schüler den Stoff wirklich begreifen. Seit Langem, sonst wären die guten Ergebnisse trotz des Anwachsens der Schülerschaft nicht zu erklären. Das Gymnasium ist aber gerade deshalb so erfolgreich, weil es seine eigenen Standards nicht aufgegeben hat.

ZEIT: Was vor 60 Jahren pädagogisch richtig war, ist es heute noch? Wir haben nichts dazugelernt?

Tenorth: Für die Prinzipien gibt es keinen Änderungsbedarf: Der fachliche Zugang zur Welt, die reflexive Distanz, Herausforderung als Prinzip und eben nicht primär das liebevolle Verweilen in den schülereigenen Erfahrungen. Dazu gehören Lehrkräfte, die ihr Fach beherrschen und deshalb besser vermitteln können - damit schaffen die Gymnasien ein geistig anregendes Milieu. Ein konservativer Grundzug und eine gewisse Störrigkeit gegenüber Veränderungen haben sicher zum Erfolg dieser Schulform beigetragen.

ZEIT: Türkischunterricht, Deutschförderkurse, Ganztagsbetrieb - was an manchen Gymnasien üblich ist, passt nicht zum Bild der beliebten Schulform. Was macht für Sie eigentlich den Kern des Gymnasiums aus?

Tenorth: Das Gymnasium muss drei Dinge leisten: die Vermittlung einer erweiterten Allgemeinbildung, einen Unterricht, der sich an der Wissenschaft orientiert und aufs wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet, und die Einübung eines Sozial- und Lernverhaltens, das die Schüler studierfähig macht. Mit welchen Fächern, in welcher Form und in welchem Rhythmus, darüber muss immer wieder neu nachgedacht werden.

DIE ZEIT vom 1602.2012, S. 83

| 26. Februar 2012 15:34