Rechtliche Fragen zur Präsentationsprüfung

Die Erläuterungen auf dieser Seite beziehen sich auf die bis 2009 gültige "Verordnung zur gymnasialen Oberstufe" (VOGO/BG). Sinngemäß gelten sie jedoch auch für die Oberstufen- und Abiturverordnung (OAVO) vom 20. Juli 2009 i. d. F. v. 01. Juni 2010.

1. Was passiert, wenn der Schüler die schriftliche Dokumentation über den geplanten Ablauf der Präsentation nicht abgibt?

Die Präsentation wird nach § 41 VOGO bewertet und beurteilt. Nach § 24 Abs. 3 wird die schriftliche Dokumentation über den Ablauf der Präsentation nicht bewertet. Wird die schriftliche Dokumentation nicht oder nicht rechtzeitig abgeliefert, ist die Prüfungsleistung aus Gründen, die der Prüfling zu vertreten hat, nicht feststellbar und daher mit null Punkten zu bewerten.

2. Kann sich der geforderte kursübergreifende Bezug auch auf ein anderes Fach als das Prüfungsfach beziehen? (Beispiel: Mathematikprüfung zum Thema Analysis; Aufgabenstellung bezieht Inhalte des Faches Biologie aus einem anderen Halbjahr ein.)

Fächerübergreifende Abiturprüfungen sind nichts Neues, wie u.a. bilinguale Prüfungen zeigen. Bei der Anmeldung zur Prüfung ist bezüglich der Präsentation § 24 Abs. 2 VOGO zu beachten, d.h. der Schüler wählt ein Fach. Bei der Zusammenstellung des Fachausschusses ist diese Art der Prüfung zu berücksichtigen. Schon jetzt werden vielfach fächerübergreifende Aufgaben bei mündlichen Prüfungen gestellt.

 

3. Kann ein Fachlehrer die Betreuung einer Präsentation ablehnen, wenn es Gründe von seiner Seite oder bzgl. des Schülers gibt?

Wenn sich ein Schüler für eine Präsentationsprüfung meldet, kann der Fachlehrer dies ebenso wie beim mündlichen Abitur nicht ablehnen. - Anders verhält es sich mit der besonderen Lernleistung: "Wer eine besondere Lernleistung erbringen will, beantragt dieses spätestens zu Beginn der Jahrgangsstufe 13 bei der Schulleiterin oder dem Schulleiter mit Angabe der betreuenden Lehrkraft nach deren Zustimmung... Die Schulleiterin oder der Schulleiter kann die Einbringung der Arbeit ablehnen, wenn zu erwarten ist, dass auf Grund der Themenstellung die Anforderungen, die für schriftliche und mündliche Abiturprüfungen zugrundegelegt werden, nicht erfüllt werden können." [VOGO § 24 (5)]

5. Bei der Bekanntgabe der Aufgabenstellung für die Präsentation nach § 24 (3) der VOGO/BG hat der Schüler die Gelegenheit, Fragen zum Verständnis der Aufgabe zu stellen. Sollte in der Zeit bis zum mündlichen Abitur dem Schüler ein weiteres Mal die Möglichkeit zu einer Beratung gegeben werden?

Gegen eine Besprechung vor der Prüfung spricht nichts, wenn dadurch keine inhaltliche Hilfestellung erfolgt, sondern eine psychologische Betreuung vorgenommen wird.

6. Ist es sinnvoll, in einer Fachschaft Bewertungsprozentsätze für Präsentation u. Kolloquium festlegen, z.B. 40% : 60%?

§ 24 VOGO ist auch in Bezug auf eine gemeinsame Bewertung (keine Prozentsätze) zu beachten: "Bei der Bewertung der Präsentation insgesamt ist eine Aufteilung in die Prüfungsteile in der Regel nicht möglich ..." Aus § 41 ergibt sich für den Vortrag, dass die inhaltliche Qualität im Vordergrund steht: "[Es] sind neben dem Inhalt auch die Qualität des Vortrags und der angemessene Umgang mit den gewählten Medien zur Beurteilung heranzuziehen." Auch die FAPA nennen für beide Prüfungsteile dieses Kriterium an erster Stelle: "Qualität und Umfang der vermittelten fachlichen Informationen ..." (VOGO Anlage 11, Punkt 3.4)

7. Kann eine Präsentation auch von mehreren Schülerinnen und Schülern vorbereitet und vorgestellt werden, wenn der Eigenanteil erkennbar / dokumentiert ist?

Ja, Gruppenprüfungen sind möglich: In § 40 der VOGO (Durchführung der mündlichen Prüfungen - und die Präsentationsprüfung ist eine mündliche Prüfung) heißt es in Absatz 4: "Die Prüfungen werden in der Regel einzeln durchgeführt. Auf Vorschlag der Prüferin oder des Prüfers sind Gruppenprüfungen mit bis zu drei Prüflingen zulässig, wenn die Prüfungsteilnehmerinnen oder Prüfungsteilnehmer und die oder der Vorsitzende des Prüfungsausschusses zustimmen. Dabei muss das Prüfungsverfahren eine Bewertung der einzelnen Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer entsprechend den in § 27 genannten Bedingungen zulassen."

8. Kann ein Schüler das Thema seiner Präsentation vorschlagen?

Bei der Präsentation gibt allein der Lehrer die Aufgabenstellung (VOGO § 24).

9. Was passiert, wenn ein Schüler während der vierwöchigen Vorbereitungszeit über einen längeren Zeitraum krank wird? Kann in einem solchen Fall von ihm erwartet werden, dass er die Ferienzeit zur Vorbereitung angerechnet bekommt?

Solche Einzelfälle sind - wie bisher - auf der Basis einer Einzelfallprüfung vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses zu entscheiden.


Wir danken Dr. Zelazny (HKM) für die klärenden Hinweise. Eine Zusammenstellung aller rechtlichen Bestimmungen der OAVO für das 5. Prüfungsfach finden Sie hier.

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